Von Valeria Nowaczyk

Kleiner Araber-Berber mit großem Herzen – und einer zweiten Chance

Manche Pferde kommen nicht, um „repariert“ zu werden.
Sie kommen, um verstanden zu werden.

Samara war ein solches Pferd.

Die kleine Araber-Berber-Stute war von März bis Juni 2025 bei mir im Beritt, um ihr Einreiten noch einmal neu und sauber aufzubauen. Im vorherigen Beritt war es zu Problemen gekommen – Samara hatte ihre Bereiterin abgebockt. Zurück blieb eine verunsicherte Besitzerin und ein ungutes Bauchgefühl.

Dieses Bauchgefühl führte sie zu mir.

Sie schaute sich den Stall an, begleitete mich einen ganzen Tag bei meiner Arbeit, stellte Fragen, beobachtete – ohne Druck, ohne Eile.
Und sie spürte schnell:
Hier ticken die Uhren anders.
Langsamer. Ruhiger. Verlässlicher.

Jedes Pferd bekommt die Zeit, die es braucht, um körperlich und mental zu wachsen. Nicht, um Erwartungen zu erfüllen, sondern um tragfähig zu werden.
So wurde der bisherige Beritt beendet – und Samara durfte bei mir einziehen.

An dieser Stelle ein aufrichtiges Danke an Samaras Besitzerin.
Für den Mut, hinzuschauen.
Für die Bereitschaft, umzudenken.
Und dafür, dieser kleinen Stute eine zweite Chance zu geben.

Ankommen & erstes Bild

Samara kam als gerade fünfjähriges Jungpferd zu mir.
Etwas dünn, schwach bemuskelt – aber mit einem großen Herzen, einer starken Persönlichkeit und einer klaren Meinung.

Zuckersüß, verschmust, sehr zugewandt.
Und ja: Wenn ihr etwas nicht passte, äußerte sie das deutlich.
Passte es hingegen, kam sie liebend gern zum Kuscheln.

Mit Berittpferd Granada entwickelte sie im Laufe der Zeit eine enge Freundschaft – auch wenn die beiden sich anfangs nicht besonders mochten. Manchmal braucht Nähe eben ein bisschen Zeit.

Die Ursache lag nicht im Pferd – sondern im Muster

Die Schwierigkeiten zeigten sich schnell.
Samaras Bewegungsmuster war für ein Reitpferd hochgradig ungünstig.

Im vorherigen Beritt war sie als „fühlig“ eingestuft worden und vorne beschlagen. Die Eisen waren sehr eng. Nach Rücksprache mit der Besitzerin und dem Schmied wurden alle Hufe gründlich untersucht: Hufzustand, Beweglichkeit und Abdrücken mit der Hufzange

Das Ergebnis war eindeutig:
Die Hufe waren nicht das Problem.

Also durften die Eisen ab.
Und siehe da: Im weiteren Verlauf zeigte sich Samara nicht mehr fühlig – weder auf dem Platz noch im Gelände. Im Gegenteil: Sie wurde trittsicher, klar und selbstbewusst auf allen Untergründen.

Die eigentliche Ursache lag tiefer.
Samara hatte massive Balanceprobleme. Um sich zu stabilisieren, streckte sie Kopf und Hals stark nach oben und außen, nutzte den Unterhals zur Kompensation und fixierte ihre Schultern steif am Rumpf.

Die Schultern vom Boden aus zu bewegen, fiel ihr extrem schwer.
Kein Widerstand – sondern schlicht fehlende körperliche Voraussetzungen.

Durch diese fixierten Schultern war die stoßdämpfende Funktion der Schulter schlicht nicht möglich. Alle Kräfte gingen ungefiltert in die Hufe und Fesselgelenke, daher auch die Fühligkeit.

Zurück an den Anfang – trotz „angeritten“

Also begann ich dort, wo gute Ausbildung immer beginnt:
ganz am Anfang.

Unabhängig davon, dass Samara bereits angeritten war, baute ich ihre Ausbildung Schritt für Schritt neu auf.
Baustein für Baustein.
Ohne Abkürzungen.

Zuerst ging es um Beweglichkeit, um ein neues Körpergefühl, um das Lösen von Kopf, Hals und Schultergürtel.
Ihre Ausbildung begann in der Freiarbeit, an der Longe und an der Hand.

Erst als sich ihr körperlicher Zustand sichtbar verbesserte, arbeitete ich sie auch unter dem Sattel.

Und dann zeigte sich, was in ihr steckt.

Mit wachsender Balance und Beweglichkeit kam ihr Talent zum Vorschein. Das Reiten wurde leicht, flüssig und freudvoll. Samara war fleißig, motiviert und lernwillig.
Ich galoppierte sie früh – ruhig, klar, ohne Druck und es gab keine unschönen Rodeoeinlagen. Im Gegenteil!

Während ihrer gesamten Zeit bei mir zeigte sie keinerlei Unwillen.
Kein Bocken.
Keine Launen.
Keinen Widerstand.

Nur ein Pferd, das endlich in seinem Körper ankommen durfte.

Entwicklung, die sichtbar wird

Auch äußerlich veränderte sich Samara deutlich.
Ihr Fell begann zu glänzen, sie baute Muskulatur auf und wirkte insgesamt stabiler, runder und zufriedener.

Als ihre Besitzerin sie besuchte, war die Freude groß.
Ihr Satz blieb mir besonders im Herzen:

„Endlich habe ich mein Pferd wieder – so wie ich sie kenne.“

Abschied mit Dankbarkeit

Samara eroberte mein Herz im Sturm.
Sie zeigte eindrucksvoll, wie viel Potenzial in diesen Pferden steckt – und warum Berber (gleich nach den Lusitanos) völlig zu Recht einen festen Platz auf meiner persönlichen Liste der Lieblingsrassen haben.

Danke, kleine Samara.
Für dein Vertrauen.
Für deine Ehrlichkeit.
Und dafür, dass du gezeigt hast, was möglich ist, wenn man Pferden zuhört.

Vielen Dank für dein Interesse

Deine Valeria

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